Abhängig von der Automobilbranche I Unsere Wirtschaft und die Autos

Die Gründe für das Einbrechen der Autoexporte und die Talfahrten der Automobilaktien deutscher Autobauer im Detail.

Könnte uns der Ruf als Exportweltmeister demnächst in eine tiefe Rezession treiben?

Deutsche Wirtschaft Automobilindustrie, Investor Schule

"In den nächsten Jahren könnte sich unser Ruf als große Auto-Nation erstmalig rächen. Die Flaute der Automobilhersteller könnte ein Vorbote für die kommenden Jahre werden."


Das meist verkaufteste Industriegut welches wir in das Ausland verkaufen sind unsere geliebten Autos. Mit einem Absatzvolumen von 18,7 Milliarden Euro stehen sie sogar noch vor dem deutschen Fachbereich Maschinenbau und Anlagen. Hauptabnehmer sind derzeit die USA und China.

 

Laut der Zeit hatte die deutsche Autoindustrie im Jahr 2005 noch einen Anteil von 15 Prozent am gesamten verarbeitenden Gewerbe, also an der gesamten deutschen Industrie. Heute sind es bereits über 20 Prozent.

Auch wenn man zum jetzigen Zeitpunkt gut reden kann, ich denke wir haben uns zu sehr auf unsere Automobilhersteller verlassen, sodass das deutsche Wirtschaftswachstum auch stark mit dem Absatz von deutschen Autos zusammenhängt. Deshalb ist es für den Exportweltmeister Deutschland wichtig, dass die Autobranche entsprechende Zahlen liefert und sich die deutschen Markenprodukte weiter gut verkaufen und rentabel produzieren lassen. Danach sah es jedoch in der letzten Zeit immer weniger aus.

Die Gründe für das Einbrechen der Autoexporte und die Talfahrten der Automobilaktien im Detail:

  

China und USA im Klinch

Im Jahr 2018 musste die deutsche Automobilindustrie also mit kräftigem Gegenwind kämpfen.

Viele wichtige Märkte für die deutschen Automobilhersteller entwickelten sich schwächer als erwartet. Der Handelsstreit zwischen den USA und China belastete die Weltkonjunktur.

 

WLTP Abgas-Prüfverfahren

Auf dem europäischen Markt brachte die Umstellung auf das neue Prüfverfahren WLTP sogar Produktionsstopps, Lieferengpässe und massive Absatzrückgänge mit sich. Darüber hinaus brachte die Umstellung beispielsweise für VW Kosten in Höhe von 3,6 Milliarden Euro mit sich, wie der Spiegel berichtete.

 

Wichtige Absatzmärkte schwächeln

Andere wichtige Absatzmärkte entwickelten sich jedoch ebenfalls schwach:

Die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten, nach wie vor der wichtigste Auslandsmarkt, sanken um fünf Prozent.

Noch stärker rückläufig waren die Ausfuhren nach Großbritannien, vor einem Jahr noch der zweitwichtigste Exportmarkt für deutsche Hersteller und Zulieferer: Die Ausfuhren gingen um zehn Prozent zurück.

 

Dazu kommen jedoch auch im Jahr 2019 weitere Bedrohungen auf die Branche und die deutsche Exportnation zu:

 

Abkühlung der chinesischen Konjunktur

Die Abkühlung der chinesischen Konjunktur trifft die Autobauer – und besonders die deutschen – so stark wie keine andere Branche. Die Verkaufszahlen bröckeln, im Juni gingen sie um 2,3 Prozent zurück, im ersten Halbjahr 2015 legten sie nur um 1,4 Prozent zu. Der Volkswagen-Konzern verkaufte im ersten Halbjahr 3,9 Prozent weniger Autos in China als im Vorjahreszeitraum. Dies war der erste Rückgang seit zehn Jahren.

 

 

Dazu kommt der Umstieg vom Verbrennungsmotor hin zur Elektromobilität

Der Trend hin zum Elektromotor ist mittlerweile beschlossene Sache. Alle Hersteller sind diesen Weg mittlerweile, wenn auch zu spät, eingeschlagen und möchten ihre gesamte Produktpalette elektrifizieren. Dies kostet jedoch bereits jetzt eine Menge Geld in der Entwicklung und der Umstrukturierung der Produktionsstätten.

 

Angedrohte Strafzölle

Die angedrohten Strafzölle auf europäische Autos, welche VW, Daimler und BMW empfindlich treffen würde. Die angedrohten Strafzölle des amerikanischen Präsidenten hätten sogar das Potential, die deutschen Autoexporte zu halbieren.

Dies hätte massive Auswirkungen auf die Deutsche Wirtschaft. Warum dies so ist habe ich ja bereits angemerkt.

Laut dem Ifo Experten Gabriel Felbermayr würden die Strafzölle auf deutsche Autos einen Exportrückgang von ungefähr 7,7 Prozent verursachen. Dies entspräche einem Wert von 18,4 Milliarden Euro.

 

Dass angesichts dieser widrigen Rahmenbedingungen der Umsatz etwa auf Vorjahresniveau gehalten werden konnte, ist durchaus als Erfolg zu werten.

In den nächsten Jahren könnte sich unser Ruf als bedingungslose Exportnation erstmalig rächen. Die Flaute der Automobilhersteller könnte ein Vorbote für die kommenden Jahre werden. Dann könnte es sich eines Tages rechen, dass unsere Überschüsse in den Staatskassen auch dermaßen von unseren Automobilexporten abhängen.


Lukas Kümmerle, Investor Schule