Staatsschulden I Investieren oder Sparen

Staatsschulden. Der Privatsektor, die Staaten, die Industrienationen, die Schwellenländer. In den wichtigsten Volkswirtschaften der Welt häufen sich Schulden immer weiter an. Warum Schulden per se nicht schlecht sein müssen, es aber leider oftmals sind.

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"Schulden können ein Land weiterbringen, wenn sie zukunftsorientiert gemacht werden. Kurzfristige Steuersenkungen und Wahlgeschenke bewirken das Gegenteil."


Deutschland, Amerika oder China haben eines gemeinsam. Sie haben alle eine Menge Schulden.

Die sogenannte "MMT Theorie" baut auf der Schuldenlast von Ländern auf und besagt, dass Staatsverschulung und Haushaltsdefizite keine Rolle spielen, solange die Notenbank das Zinsniveau niedrig halten kann, ohne gleichzeitig die Inflation anzuheizen.

Zudem, behaupten einige Wirtschafts-Wissenschaftler, dass die Vereinigten Staaten nicht pleitegehen könnten, weil der Staat Kredite in der eigenen Währung aufnimmt. Deshalb könne der Staat in schlechten Zeiten einfach mehr Geld drucken, um die Negativfolgen wieder aufzufangen und stattdessen die heutigen Probleme von sozialer Ungerechtigkeit und Innovationsstau mit neuen Staatsschulden zu lösen.

 

Jedoch ist diese Theorie meiner Auffassung nach widersprüchlich. Das Drucken von ständig neuen Geldern könnte eher dazu führen, dass die Inflation der jeweiligen Volkswirtschaft rapide steigen würde.

Die Nachfrage nach einer ständig wachsenden Geldmenge würde schließlich langfristig stark abnehmen und die jeweilige Währung damit abwerten, bis hin zur kompletten Zerstörung.

Daher ist die Theorie, dass eine Volkswirtschaft wie Amerika nicht pleite gehen kann nicht legitim, auch wenn eine erhöhte Staatsverschuldung nicht per se falsch ist. Schulden zu verursachen kann Fluch oder Segen für eine Volkswirtschaft sein.

Die Äußerung, dass es egal sei, wie viel Schulden eine Volkswirtschaft macht, ist jedoch genauso falsch, wie die Äußerung, dass Schulden grundsätzlich zu vermeiden sind und einer Wirtschaft schaden.

 

 

Meines Erachtens gute Gründe zur Aufnahme von Staatsschulden:

Schulden haben auf jeden Fall eine ökonomische Daseinsberechtigung. Schulden des einen sind stets die Forderungen eines anderen. Die Aufnahme von Krediten steigert die Soziale Ader eines Wirtschaftssystems. Nur dank ihnen kann das Kapital, das an einer Stelle gerade nicht genutzt wird, an eine andere Stelle weitergereicht werden, wo es dann produktiv zum Einsatz kommt.
Somit ist es grundsätzlich nicht richtig zu sagen, dass Kredite und Schulden schlechte Produkte sind. Probleme tauchen nämlich erst dann auf, wenn Schulden nicht zurückgezahlt werden.

Um meine Aussage ein wenig zu verdeutlichen habe ich Staatsschulden in zwei Kategorien eingeteilt:

 

 

Gute Gründe zur Aufnahme von Staatsschulden:

  • Langfristige Investitionen in Zukunftsprojekte
  • Stärkung sozialer Projekte
  • Stärkung der Infrastruktur sowohl für Privatpersonen, als auch für Unternehmen

 

Schlechte Gründe zur Aufnahme von Staatsschulden:

  • Kurzfristige Wahlgeschenke an die Bürger (a la italienische Regierung)
  • Kurzfristige Steuergeschenke für Unternehmen (a la Regierung Trump)

Diese Beiden Arten von kurzfristigen Ausgaben tun einem Staat vielmehr weh, als sie ihm wirklich helfen.

Sie dienen entweder als Energy-Booster für die Bilanz von Firmen, da die Gelder in den meisten Fällen nicht wieder reinvestiert werden, oder sie sorgen dafür, dass sich das Volk kurzfristig beruhigt und der Staat sich davon mehr Handlungsfreiraum wünscht.

 

 

Wir sehen also, dass das Thema Staatsschulden ein komplexer Sachverhalt ist und es für die einzelnen Staaten oftmals schwierig ist über neue Investitionen und den Schuldenstand zu urteilen. Auch Deutschland steht mittlerweile vor wichtigen Entscheidungen in Sachen Staatsschulden. Es geht um die Frage die schwarze Null bei nachlassender konjunktureller Entwicklung zu halten, oder jetzt in dringend notwendige Zukunftsprojekte, wie der sozialen Gerechtigkeit, oder dem Ausbau eines umfassenden E-Tankstellennetzes zu investieren.


Lukas Kümmerle, Investor Schule