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Negative Zinsen I Was wäre wenn...

Niedrigzinsen sind uns allen ja bereits ein gängiger Begriff. Deshalb bedienen wir uns in diesem Artikel mal einem fiktiven Szenario.

Was wäre wenn Negativzinsen innerhalb der Eurozone herrschen würden ? Negativzinsen und ihre potentiellen Auswirkungen.

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"Die Kreditvergabe würde weiter angetrieben werden. Aber Verbraucher würden anstatt Zinsen wohl Strafzinsen an ihre jeweilige Bank zahlen müssen. Den Banken würde es jedoch ebenfalls hart treffen."


 

Keine Zinsen mehr auf dem Sparbuch oder auf dem Tagesgeldkonto. Das ist mittlerweile zum Normalzustand bei den meisten Banken geworden. Bevor wir zum eigentlichen Thema kommen, möchte ich dir jedoch noch kurz erläutern wie diese niedrigen Zinsen zur Stande kommen.

Alle europäischen Banken müssen sich an dem Leitzins der europäischen Zentralbank orientieren, um erfolgreich wirtschaften zu können. Der vorgegebene Leitzins liegt momentan bereits bei 0.0 Prozent. Banken geben diesen Leitzins meistens mit einigen Monaten Verzögerung an ihre Kunden weiter. Von daher sind 0,01 Prozent sogar noch immerhin etwas, wenn man bedenkt, dass Banken bereits heute Strafzinsen zahlen müssen, für Guthaben, welches sie bei der EZB parken wollen oder müssen. Warum das so ist? Um die Antwort kurz zu halten. Die EZB möchte damit erreichen, dass die Kreditvergabe weiter vorangetrieben wird. Durch diese Strafzinsen auf Guthaben sollen die Banken dazu aufgefordert werden die Kreditvergabe an ihre Kunden anzukurbeln.

 

 

Doch da durch eine Abschwächung der weltweiten Konjunktur Zinssenkungen von finanzpolitischen Organisationen immer verlockender und wahrscheinlicher werden, wollen wir uns doch mal anschauen, ob eine Zinssenkung bei der EZB ebenfalls möglich wäre. Dazu bedienen wir uns einem fiktiven Szenario.

Die Zinsen innerhalb der EU sind bereits auf dem Nullniveau.

Auch wenn dieser Schritt sehr unwahrscheinlich ist, bedienen wir uns der These was wäre, wenn.

Der nächste Schritt könnte daher lauten Negativzinsen einzuführen, wie es bereits in der Schweiz oder Japan gängige Praxis geworden ist.

Quelle forexfactory.com
Quelle forexfactory.com

Zunächst schauen wir uns an, was ein solcher Schritt bewirken würde. Die Folgen eines solch aggressiven Zinsschrittes wären, dass die Kreditvergabe und somit auch die Investitionen innerhalb des Euro-Raumes weiter angetrieben werden würden.

Daher, dass die Zinssätze nun aber nicht null, sondern negativ wären, würde das Geld billiger als sein Nennwert werden. Bei einer Direktweitergabe der Zinsen würde man als Verbraucher also durch einen solchen Schritt sogar noch Geld „geschenkt“ bekommen, sofern man einen Kredit aufnimmt, da man weniger zurückzahlen müsste, als der Kredit nennwertmäßig wert ist. Das wäre also ein Punkt der für uns als Verbraucher sogar noch erfreulich wäre. Negativ wären jedoch wohl die Auswirkungen auf unsere Spareinlagen. Denn dort würden wohl noch viel öfter und höhere Strafzinsen fällig werden. Einige Banken nehmen solche Strafzinsen bereits auf hohe Einlagen ihrer Kunden. Durch eine solche Negativzinspolitik könnte dies jedoch zum Normalfall werden.

 

Dieser Schritt würde jedoch nicht nur Verbraucher, sondern vor allem auch die Banken zur Verzweiflung bringen. Die Strafzinsen auf Einlagen bei der EZB würden sich weiter erhöhen und es ihnen noch schwieriger machen konstante Profite durch das Zinsgeschäft zu erwirtschaften. (siehe Deutsche Bank, Commerzbank aber auch regionale Banken)

Würden die von der EZB veranschlagten Strafzinsen immens höher ausfallen, so könnten einige Banken es sogar in Betracht ziehen wieder mehr Bargeld zu bunkern und dieses nicht mehr in Form von Einlagen bei der EZB zu lagern. Dies würde dann ein wahrscheinliches Szenario werden, wenn die Versicherungspolicen weniger Kosten verursachen würden, als die Strafzinsen auf Einlagen bei der EZB. Genauso könnten jedoch auch viele Verbraucher ihre Einlagen bei der Bank abziehen und anfangen Cash zu horten.

 

Wie wir abschließend also sehen ist ein solcher Schritt administrativ auf jeden Fall durchführbar, wie es die Schweiz und Japan bereits gezeigt haben.

Jedoch wachsen diese beiden Volkswirtschaften auch wesentlich langsamer als der Wirtschaftsraum der EU (von einer drohenden Rezession erst einmal abgesehen).

Die Folgen einer Niedrigzinspolitik sind bereits heute im ganzen Euroraum ersichtlich. Eine Negativzinspolitik würde die heute bereits ersichtlichen Effekte jedoch weiter verstärken und es Banken weiterhin erschweren ihre Profite aufrecht zu erhalten. Das dies wiederum zu einem Systemrisiko für den ganzen Euroraum werden kann, ist jedoch ein ganz anderes Thema.


Lukas Kümmerle Investor Schule