"Mama Mia" I Warum Italiens Politik ganz Europa bedroht

Die Italiener sorgen momentan für viele Schlagzeilen. Der bereits hoch verschuldete Staat will seit Amtsantritt der neuen Regierung, bestehend aus der 5 Sterne Bewegung und rechter Lega, weitere Schulden aufnehmen, um neue Reformen für die Bevölkerungen und viele weitere Steuererleichterungen durchzusetzen.

Die EU lehnt die Pläne bislang strikt ab. 

Gerät Italien ins Wanken?

 

"Italiens weitere geplante Neuverschuldung wird die Märkte nachhaltig bedrohen"


Hat Italien das Zeug dazu, die europäische Union in die nächste Finanzkrise zu steuern?

 

Die Rendite für italienische Staatsanleihen ist in den letzten Wochen rapide gestiegen, was kein gutes Zeichen in Zeiten der Niedrigzins-Politik im europäischen Raum ist. Höhere Renditen der Staatsanleihen sagen nämlich aus, dass es unwahrscheinlicher wird, dass der Staat das hinterlegte Feld auch wieder zurückzahlen kann. Die Rendite dient quasi als "Risikoaufschlag".

Die Rating Agentur Moody´s hat die Anleihen weit nach unten eingestuft, sodass die italienischen Staatspapiere momentan kurz vor dem "Ramsch-Status" stehen.

 

Der Haushaltsentwurf für das kommende Jahr, ist ebenfalls von der EU abgelehnt worden, was bis jetzt das erste Mal in der Geschichte der EU der Fall war.

Nun muss die Regierung abgewiesenen Haushalt noch einmal durcharbeiten und dringend notwendige Änderungen vornehmen, da dem Staat sonst harte Sanktionen aus Brüssel drohen.

Die Italiener wollen jedoch an ihren Finanzplänen und dem dazugehörigen Etat für das kommende Jahr festhalten. Ihnen ist die Kritik aus Brüssel defakto egal,

Momentan sieht es also düster aus. Nicht nur für Italien, sonder für den gesamten europäischen Raum.

Auch im Land selbst sind bereits Auswirkungen der Verunsicherung zu spüren.

Die fünf größten Banken des Landes haben diese Woche damit begonnen frisches Geld in den italienischen Rettungsfond zu pumpen. 

Die erste Zahlung an den Fond belief sich auf 2,75 Milliarden Euro.

Die Banken gehen diesen Schritt, um bereits jetzt Vorkehrungen für eine schwere Banken-Krise zu treffen.

 

Auf der anderen Seite muss die italienische Regierung langsam Taten folgen lassen und ihre Wahlversprechen einhalten, um die Bevölkerung nicht weiter zu vergraulen und zu zeigen, dass die Regierung zu ihren Äußerungen steht.

 

Dass Italien mächtig Bammel vor der Stimmung der Wählerschaft hat, beweisen auch die jüngsten Nachrichte aus dem Land.

Italien müsste normalerweise Steuergelder der katholischen Kirche einfordern, weil diese jahrelang nicht abgetreten werden mussten und viele Immobilien der katholischen Kirche nicht einmal dem Staat bekannt waren. Das heißt die Immobiliengeschäfte konnten jahrelang steuerbefreit ausgeführt werden. Der europäische Gerichtshof ließ dieses Gesetzt nämlich diese Woche kippen und entschied, dass auch Kirchen Steuern auf Immobilien zahlen müsse, was an sich meines Erachtens auch eine faire Sache ist.

 

Die Forderungen gegenüber der Kirche würden sich laut Schätzungen auf 4 -5 Milliarden Euro belaufen.

Eigentlich wäre dies ein Grund zur Freude für die Regierung. Jedenfalls eigentlich, denn da 85 Prozent der italienischen Bevölkerung der katholischen Kirche angehören, will der Staat das Geld überhaupt nicht. Der Staat hat Angst, dass sich die Rückforderungen auf die katholischen Immobilien auf die Stimmung der ansässigen Bevölkerung auswirken könnte.

Und sind wir doch mal ehrlich, das letzte was Italien nun noch gebrauchen könnte, wäre ein ausgeweiteter Konflikt mit der eigenen Wählerschaft.

 

Uns als Investoren bleibt also momentan nichts anderes übrig, als abzuwarten, was passiert und uns gegebenenfalls für Eventualitäten abzusichern.

Denn wenn Italien finanzielle Schwierigkeiten bekommen sollte, könnte dies schwerwiegende Folgen für den europäischen Raum und sogar für die gesamte Weltwirtschaft haben.

 

Das Eintrübend des generellen Wirtschaftswachstums könnte also im Falle einer sich anbahnenden Rezession, zum Totalausfall der italienischen Zahlungsfähigkeit führen. Wie du siehst könnte hier also ein "Dominoeffekt" eintreten, wenn keine gemeinschaftliche Lösung in dem Konflikt gefunden wird. (warum dies so ist, liest du hier)

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Italiens 10-jährige Staatsanleihen;

1 Jahr Chart

 

Quelle: investing.com


Zusammengefasst

Die bereits sehr verunsicherte Marktsituation wird durch den Konflikt zwischen der italienischen Regierung und der EU weiter verschärft.

Der Staat mit dem zweithöchsten Verschuldungsgrad in der EU, möchte weitere Schulden machen, um neue Reformen für die Bürger durchzusetzen.

Die EU lehnt dies strickt ab, da sie im Falle einer Rezession Angst haben, dass der Staat pleite gehen könnte und dann wieder von der EU aufgefangen werden müsste.

Quasi eine neue Version der Staatsverschuldung in Griechenland im Jahr 2010.

Die Situation birgt also enorme Risiken für alle Beteiligten und vor allem für uns Investoren. Ob und wie sich der Konflikt weiter ausweiten wird, ist momentan noch nicht absehbar.

Klar ist jedoch, dass im Falle einer ausbleibenden Lösung, die Märkte heftig reagieren dürften.

Und in welche Richtung dies gehen dürfte, sollte uns allen bereits klar sein. Nämlich nach unten.


Lukas Kümmerle, Investor Schule